Krokodile & Geister - südostasiatisches Genrekino mit Ideen
Einfallsreich fabulierendes Kino aus Südostasien: Hintereinander starten hierzulande zwei geisterhaft angehauchte Familiendramen - auf einer indonesischen Krokodilfarm sowie einer thailändischen Fabrik für Haushaltsgeräte...
crocodile tears (AIR MATA BUAYA)
Cologne Cine Collective / Real Fiction - D-Kinostart 26.02.2026
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In der neunten KW startet zunächst die Der eher schüchterne Johan (Yusuf Mahardika) betreibt mit seiner dominanten Mutter (Marissa Anita) einen allmählich verfallenden Krokodilpark auf Java. Als sich der unsichere Junge aus der hermetischen Zweierbeziehung zur Mama zu lösen beginnt und sich in Arumi (Zulfa Maharani), eine junge Club-Hostess Arumi aus der Stadt verliebt, gerät die fragile Balance im Park nicht nur olfaktorisch aus den Fugen. Der Sohn schwitzt, die Mutter wirft ihr Parfum weg, nachdem sie bemerkt, dass Arumi das gleiche benutzt. Die junge Frau verliert ihren Job, wird schwanger und zieht in den Park - Rivalitäten und eine Eskalation scheinen vorprogrammiert... Insbesondere für die Mutter, hier Dreh- & Angelpunkt der Story, verschwimmen zunehmend Traum & Realität - ihre Überzeugung wächst, dass Johans vor der Geburt bereits verschwundener Vater als Geist in einem - isoliert gehaltenen - weißen Krokodil-Prachtexemplar des Parks "lebt". Ohne Auflösung & Finale dieser Variation der in Asien allgemein beliebten Geistergeschichten an dieser Stelle preiszugeben: Es lohnt, sich auf die tropische Atmosphäre und den gemächlichen Erzählrhythmus des Films einzulassen, der auch sozialkritische Einblicke in den Arbeits- & Überlebensalltag der indonesischen Unterschicht gewährt. Eine weitere wichtige Rolle nehmen hier die immer wieder zwischen die Szenen geschnittenen, stets unberechenbaren Reptilien ein, als eher latente Gefahr im Hintergrund. Wer nun billigen Tierhorror erwartet, ist bei Crocodile Tears allerdings falsch: Macher Tampubolon kam die Idee zu seinem ersten Langfilm bei einer National Geographic-Dokumentation über Krokodile, bei der u.a. eine Krokodilmutter ihr Junges behutsam in zahnbewehrten Maul versteckte – auf gleichzeitig schützende, wie potenziell tödliche Weise. Dieses Bild ambivalenter bis obsessiver mütterlicher Liebe hat er sechs Jahre später im vorliegenden Film mit den sehenswerten Darstellerleistungen seines Lead-Trios stimmig umgesetzt. Schauspielerin Marissa Anita war 2022 als Berlinale Talent bereits in Deutschland präsent. |
a useful ghost
Little Dream Pictures - D-Kinostart 26.03.2026 - Around the World in 14 films 12-25 - Berlinale 2026
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Ebenfalls geisterhaft, aber eher komödiantisch kommt der einen Monat später in deutschen Lichtspielhäusern startende A Useful Ghost des thailändischen Regisseurs Ratchapoom Boonbunchachoke daher – eine thailändisch-französisch-deutsche Koproduktion (ebenfalls mit Beteiligung aus Singapur). Das ebenfalls in Toronto - und über das der Berlinale vorgelagerte Around the World in 14 Films-Festival auch schon in Deutschland präsentierte Stück asiatisches Genrekino wurde in Cannes mit dem Großen Preis der Semaine de la Critique ausgezeichnet und erweitert nun auch das hiesige Leinwand-Spektrum um eine abgedreht-exotische Gespenster-Romanze. March (Witsarut Himmarat), Sproß einer Fabriksbesitzer-Familie, March & Nat bekommen es mit anderweitig besessenen Kühlschränken, buddhistischen Mönchen, der lieben Verwandtschaft sowie einem akademischen Ladyboy und dessen Liebhaber im Kampf gegen skrupellose Politiker zu tun - inklusive Bettszenen.
Das absurde Comedy-Geschehen wird dabei unterfüttert mit gesellschaftssatirischen Einsprengseln, nebenbei bekommt das Publikum auch das eine oder andere über thai-traditionelle Beziehungs-vorstellungen, wenig humane industrielle Arbeitsverhältnisse, überholte Geschlechterrollen & verlogene Erinnerungskultur (bzgl. der Rothemden-Proteste der 2010er Jahre) mit. -sr
* Deutscher Trailer* |
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